Wenn wir die Ursache einer inneren seelischen Blockade nachhaltig beseitigen wollen, erreichen wir dies nicht, wenn wir an der Korrektur ihrer Folgen arbeiten.

„Es gibt keinen gefährlicheren Irrtum, als die Folge mit der Ursache zu verwechseln.“

(F. Nietzsche)

Mangelnde Empathie kann nicht mit Verhaltenslehre oder Kommunikationstrainings korrigiert werden. Ihre Quelle ist ein mangelndes Fühlen der eigenen psychischen Realität. Hier muss mit dem gearbeitet werden, was den Zugang zum Fühlen verhindert. Also nicht mit der allgemeinen Folge, sondern mit der konkreten Ursache des Nichtfühlens. Mangelndes Vertrauen in andere Mitarbeiter, kann nicht mit allgemeinen Team-Buildings oder allgemeinen vertrauensstiftenden Maßnahmen korrigiert werden. Es muss mit der konkreten der Quelle des Misstrauens gearbeitet werden, genauso wie mit dem Schmerz, der Enttäuschung und der Angst, die es hervorgerufen hat. Erst wenn diese Quelle versiegt, kann sich dauerhaft echtes Vertrauen aufbauen.

Die Ursachen seelischer Blockaden oder Defizite liegen allzu oft im Unbewussten. Deshalb lassen sie sich auch bei heftigster Anstrengung nicht mit gesundem Menschenverstand, Nachdenken oder Willensleistung nachhaltig verändern. Es bedarf Arbeitsmethoden, die mit dem Unbewussten arbeiten und so eine seelische Integration ermöglichen. Dies kann dann als Grundlage neuer Verhaltensweisen und einer authentischen Persönlichkeit dienen.

Was leistet Traumaarbeit im Coaching?

Traumatische Erfahrungen aus der Kindheit, oder der eigenen Vorfahren sind das Einschneidende, was unser Verhalten von heute und damit auch das Führungsverhalten von Managern und Unternehmern prägt. Der Schritt von einer gespaltenen Seele hin zu einer gesunden Mitte, welche die Quelle von Charisma, Authentizität und Innovationskraft ist, vollzieht sich im Prozess der Traumaarbeit.

Das was TV-Autorin und Journalistin Sabine Bode (Köln) bereits protokollarisch in ihrem vielbeachteten Werk „Kriegsenkel“ als Verunsicherung einer ganzen Nachkriegsgeneration bezeichnete, hat seinen Ursprung in den traumatischen Erfahrungen unserer Vorfahren. Die Quelle von diffusen Ängsten und dem Gefühl – trotz allen Wohlstands – nicht anzukommen liegt häufig in weitergegebenen traumatischen Erfahrungen der Eltern- und Großeltern-Generationen. Da die gespaltene Seele nicht zwischen Privat und Beruflich trennt, zeigen sich alle Folgen auch bis in die Top-Etagen des Managements. Identitätskonflikte, Zweifel und innere Leere werden häufig mit einer harten und autoritären oder nicht authentischen Maske der Führungskräfte überspielt. Unternehmen büßen an dieser Stelle einen Großteil ihres Potenzials ein und klassisches Coaching erreicht nicht den unbewussten Kern der seelischen Spaltung. Genau hier setzt allerdings die Traumaarbeit im Business-Coaching an.

 

 

Was ist ein Trauma?

Trauma ist keine pathologische Sonderkategorie menschlichen Daseins, sondern eine Existenzielle Grenzerfahrung, die über die seelischen Kräfte eines Menschen im Allgemeinen und die eines Kindes im Speziellen hinausgeht. In der Folge spaltet sich die Seele und die traumatischen Inhalte werden verdrängt. Eine Existenzielle Grenzerfahrung ist oft eine Erfahrung an der Grenze zwischen Leben und Tod. Dies kann die Erfahrungen eines Frontsoldaten betreffen oder auch das Geburtstrauma. Jede Existenzielle Grenzerfahrung ist stets in dem historischen, gesellschaftlichen und familiären Rahmen zu betrachten und zu behandeln, in dem sie entstanden ist. Deshalb kann sie auch nicht Gegenstand einer allgemeinen psychologischen Deutung sein. Ohne Integration (Aufhebung der seelischen Spaltung) bleiben biografische Existenzielle Grenzerfahrungen im familiären Unbewussten erhalten und werden so von Generation zu Generation weitergegeben. Hieraus begründet sich der Ansatz einer transgenerationalen Traumaarbeit.

Woran erkenne ich ein Trauma?

In der Folge einer Existenziellen Grenzerfahrung entwickeln die meisten Menschen Überlebensstrategien, wie Härte, Flexibilität und enorme Ausdauer. Mit diesen Qualitäten will sich die Seele vor erneuten Traumatisierungen schützen. Nebenbei dienen diese Eigenschaften auch dem privaten und beruflichen Vorankommen. Führungskräften dienen sie in der Regel zu ihrem Aufstieg. Die verdrängte traumatische Schockenergie bleibt jedoch im Körper, Stammhirn und autonomen Nervensystem gespeichert. So entsteht im Unbewussten eine zwanghafte „weg von“-Trauma Dynamik, die sich auf alle Lebensbereiche überträgt. Die davon weiter abgeleiteten Folgen reichen von Nicht-Fühlen, Stress, chronischen Erkrankungen, mentalen Blockaden, Fehl- und Nichtentscheidungen bis zum Burnout-Syndrom. Da die Seele ein nicht-lineares Organisationsprinzip ist, zeigen sich die Folgethemen grundsätzlich in wiederkehrenden Mustern. Man zieht sich, meist entgegen bester Vorsätze, immer wieder ähnliche Lebensumstände und Menschen an, man dreht sich im Kreis oder kommt dauerhaft nicht an (Leerlauf). Die Existenzielle Grenzerfahrung prägt zudem das innere Erleben mit einer charakteristischen Grundstimmung (z.B. Schwere, Leere, Trauer, Vergeblichkeit, Sinnlosigkeit, etc.).