Da die Seele Körper ist und Körper Seele, wie es in einem Axiom C. G. Jung treffend zum Ausdruck brachte, werden die seelischen Schmerzen im Körper (und in den Gehirnstrukturen) gespeichert, und nur dort können sie auch wieder freigesetzt werden. Die abgespaltenen Seelenanteile können nur im Körper integriert werden, nicht außerhalb von ihm. Der seelische Schmerz ist tief im Gewebe gespeichert und oft von starken Muskelpanzerungen geschützt (Ansatz von Wilhelm Reich).

Anwendung:

Der körperliche Impuls muss also genau jene Tiefe erreichen, in dem der erstarrte Schmerz im Gewebe gespeichert ist. Nur so wird die erstarrte Ladung von Angst, Schmerz, Ohnmacht, etc. wieder freigesetzt, und die so jahrelang blockierte vitale Kraft beginnt wieder zu fließen.

Nutzen:

Bleibt nämlich der Schmerz im Gewebe gespeichert, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es zu Somatisierungen in Form von verschiedenen Schmerzen und Krankheiten kommt.  Die  sogenannten „nichtinvasiven Methoden“ sind zwar gut gemeint, doch auf längere Sicht können sie durch den Verzicht auf die Freisetzung des Schmerzes im Körper ungewollt eher dessen Somatisierung bewirken.

Anwendungsbereich: Muskelpanzerungen sowie Weichgewebe.

Theorie und  Entstehungsgeschichte:

Das Herausbilden der Muskelpanzerungen und ihre genaue Funktion in den Körpersegmenten beobachtete bereits der Freudianer Wilhelm Reich in der Zwischenkriegszeit. Er hatte dementsprechend einen Ansatz der Körperarbeit entwickelt, der an die Charakteranalyse der einzelnen Typen gebunden ist. An seine Arbeit knüpften Alexander Lowen und vor allem Gerda Boysen an, wobei Letztere sich mit dem Weichgewebe befasste, in dem die Traumta aus den vor-verbalen Phasen, also vor allem aus der pre-, peri- und postnatalen Phasen, gespeichert bleiben. Gerda Boyesen hatte den Ansatz von Wilhelm Reich in den 1960-70er-Jahren bedeutend erweitert.

Nicht unerwähnt bleiben sollte auch die theoretische Arbeit von Arthur Janov und seine frühen Prägungen, herausgegeben in den 1980er Jahren. Es handelt sich um die gleiche vorverbale Phase um die Geburt herum, allerdings eher aus einer neurologischen Perspektive gesehen. Dies ermöglichte eine mehr als ergänzende Sicht auf diese Phase und ihre Bedeutung im späteren Leben.

Der tschechisch-amerikanische Psychiater Stan Grof, der theoretisch auch von C.G. Jung und seiner Archetypenlehre ausgeht, hatte – wiederum auf die perinatale Phase bezogen – sein Modell der 4 BPM (basic perinatal matrices) entwickelt. Dieses Modell spiegelt jene vier Geburtsphasen wieder, die ein Kind bei der Geburt durchläuft. In jeder Phase kann es zu prägenden Ereignissen kommen, die sich im späteren Leben phänomenologisch bei den Menschen sehr ähneln.

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